Wir wollen mehr als Nordic Walking !

Ein Sport-Späteinsteiger-Ehepaar (Jahrgang 54/56) berichtet

  • Erfahrungen aus 1. Hand

    Wir haben gelernt, dass sehr viel mehr möglich ist, als man glaubt. Zu alt? Zu unsportlich? Gibt es nicht! Nur Versuch macht klug!

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TRAILTECH Traildays – Ein Ausflug in die Welt der Genießer

30.08.10 (Bücher/DVDs, Rennrad/MTB, Veranstaltungen/Kurse, Wandern/(Nordic) Walking)

Obwohl wir schon zwei MTB-Fahrtechnik-Seminare besucht haben und das kleine 1×1 des Mountainbikens (Finde die Linie! Sieh hin, wo du hinwillst und nicht wo du fährst! Achte auf die Traktion! Bloß keine Angstbremsung! Laufen lassen! Geschwindigkeit stabilisiert!) vorwärts und rückwärts aufsagen können, gibt es doch Probleme, dieses Wissen auf der Strecke konsequent umzusetzen.

Als wir dann beim Internet-Surfen auf TRAILTECH stießen und die interessante Beschreibung der TrailDays im Harz, meldeten wir uns kurzerhand an, um das Trailfahren zu verbessern und bei künftigen MTB-Wettkämpfen schneller zu werden.

Am 28.08.2010 war es dann soweit. Treffpunkt 9:30 beim Hotel „Tannenhof“ in Bad Harzburg. Außer uns und dem Guide Jan Zander waren noch vier freundliche jüngere Männer dabei, die eher zum coolen Bikeroutfit anstelle von den von uns bevorzugten renntypischen Lycra-Pellen tendierten.

Und auch die Einstellung war eine ganz andere. Die Bergaufstrecken, die wir als willkommene Trainingseinheit freudig begrüßten, wurden eher murrend bzw. schnaufend als notwendiges Übel in Kauf genommen, um als Belohnung die Bergab-Trails genießen zu können.

xxJan hatte als echter Harz-Kenner die Tour so genial zusammengestellt, dass Asphalt und die etwas langweiligen „Forstautobahnen“ die Ausnahme blieben und wir hauptsächlich auf Trails, d.h. auf Pfaden unterschiedlicher Beschaffenheit und Breite bis hin zu ca. 20 cm die Natur für uns hatten. Nur hatten wir in der Tourenbeschreibung nicht so ganz realisiert, dass ein Teil des Vergnügens in dem Befahren verblockter Trails bestehen sollte. Erst an Ort und Stelle wurde uns bewusst, was es eigentlich damit auf sich hat:

 

 

verblockter TrailPfade, auf denen Rübezahl einen Sack Steine und kleine Felsen unterschiedlicher Größe kreuz und quer ausgeschüttet hatte, sodass es kaum noch ein Durchkommen gab. Unsere Mitfahrer und Jan lebten auf. Es war faszinierend zuzusehen, wie sie fast schwerelos über all die Brocken glitten, die für uns unüberwindliche Hindernisse waren und kaum noch „überschoben“ werden konnten. Jan erklärte uns geduldig und unermüdlich die Stufen- und die Schiebetechnik, die richtige Belastung des Vorder- und Hinterrades, das aktive Fahren und die breitarmige bzw. breitbeinige federnde Körperhaltung, genau das Gegenteil der aerodynamischen Rennradhaltung, die wir uns gerade mühsam angeeignet hatten. Trotz einiger unfreiwilliger Ganzkörper-Bodenkontakte war es langsam möglich, die Genusskomponente zu erahnen. Wäre nur der Regen nicht gewesen, der die sowieso schon schwierigen Wurzeln und Steine zusätzlich glitschig und rutschig machte. Da für den Sonntag noch mehr Regen angesagt war und wir unseren Mitfahrern ersparen wollten, noch einen weiteren Tag nach jedem dieser verblockten und verwurzelten Trails auf uns warten zu müssen, bot uns Jan an, stattdessen im nächsten Jahr bei besserem Wetter wiederzukommen, ein wirklich faires und nicht selbstverständliches Angebot, das wir nicht genug loben können. An einem schönen Tag wie auf einem älteren Helmkamera-Begleit-Video von 2009 sieht alles schon ganz anders aus:

Da wir den Sonntag für einen Aufenthalt im Harz verplant hatten, wollten wir es dabei belassen und schwenkten flexibel wir sind sind, kurzerhand auf Wandern um. Statt uns auf verblockten Trails mit dem MTB weitere blaue Flecken und blutige Schrammen zu holen, setzten wir uns mutig den Gefahren des Wanderns aus, die im Harz auch nicht zu unterschätzen sind

und fanden uns schließlich einen extrem verblockten Wanderweg wieder,
Brocken der uns zu Fuß auf den Brocken führte. Dabei fragten wir uns ständig, ob es wohl Mountainbiker gibt, die es schaffen, dort hinunterzufahren. Nachdem, was wir von Jan gesehen und gehört haben, müsste es wohl möglich sein. Nicht für uns, aber für versierte Downhiller, die schon als Grundschüler mit dem BMX-Rad auf Tische gesprungen sind. Soll es ja geben.

Als Folge dieses denkwürdigen Wochenendes habe ich eine neue Lieblingslektüre gefunden:

„Mountainbike. Vom Anfänger zum Könner“ von William Nealy

Dieses herrliche Buch ist Pflicht, für alle die einen Zugang zum MTB-Technik-Spaß finden wollen und dem Weg, bis der Frust zur Lust wird. In anschaulichen und überaus witzigen Comics werden ohne überflüssige Texte die Tücken der Technik eindrucksvoll vermittelt.

Ich hoffe sehr, dass wir es irgendwie schaffen im nächsten Jahr auch ganz entspannt über Wurzeln und Felsen zu rollen. Am besten wir sammeln massig Feldsteine und verblocken einen Gartenweg als Testtrail. Beim morgendlichen Joggen habe ich heute im Gebüsch ein paar dicke Bohlen gesehen, die jemand wohl nach Abbrucharbeiten entsorgen wollte. Die holen wir uns in den Garten und trainieren den Bunny Hop.

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